DrehPunktKultur: Hofmusik mit J.S.Bachs Weihnachtsoratorium in Salzburg

Bach’sches Advent-Brauchtum
Von Reinhard Kriechbaum

20/12/09 – Aus der (Geld-)Not macht man seit geraumer Zeit eine Tugend. Bach hatte ja auch nicht Chorsänger und Musiker in einer Anzahl zur Verfügung, wie sie dann im bürgerlichen Zeitalter üblich wurde. Also ist im Prinzip die Zahl an Vokalisten, wie sie Alfred Hartingers Collegium Vocale Salzburg hat (am Samstag, 19.12., in der Großen Aula: 21 Leute) völlig ausreichend und zudem noch historisch richtig. Es fehlt absolut nichts, wenn der kleine Chor so gut einstudiert ist, im Gegenteil: Die Wortdeutlichkeit kommt noch besser heraus und die Stimmführung wird für die Zuhörer wesentlich transparenter. Das tut gut.

Wolfgang Brunner hat seine “Salzburger Hofmusik” beigesteuert, und auch das war eine Besetzung, die den Verhältnissen in den evangelischen Hauptkirchen der Bach-Zeit in Leipzig entspricht. Bach hat die Aufführungen freilich von der Ersten Violine aus geleitet – und in dem gut besuchten Konzert in der großen Aula ist einem durch den Kopf gegangen, ob genau das nicht einen Versuch wert wäre: So, wie der Chor und all die Instrumentalisten technisch und stilistisch präpariert waren, würde wahrscheinlich der kammermusikalische Dialog ohne Dirigenten an Lebendigkeit deutlich zunehmen. Wolfgang Brunner an der Orgel, Herwig Tachezi am obligaten Cello, Veronika Kröner (Violine) und vor allem die beiden Oboistinnen Birgit Heller Meisenburg und Petra Rainer würden das jedenfalls bestens hinkriegen. Unterdessen haben Aufführungspraktiker in den Orchestern (natürlich auch in der Salzburger Hofmusik) genug Professionalität, um sich jederzeit ohne Einsätze zurecht zu finden. Und mehr Zitterpartie wären manche Accompagnato-Begleitungen auch ohne Dirigenten nicht.

In der Solistengruppe hat der beweglich-schlanke Bass von Matthias Helm aufhorchen lassen. Christian Zenker (Tenor) löste das ein, was man heutzutage von einem Evangelisten erwartet. Aleksandra Zamojska (Sopran) galt als große Sopran-Stimmhoffnung aus den Mozarteum-Kadern. Ihr weich-goldenes Timbre hat Eigenart, aber jetzt wäre es schon an der Zeit, an der Textvereständlichkeit zu feilen. Yvonne Douthat (Alt) hat den anderen ihr “Schweigt, er ist schon würklich hier” unaufdringlich-selbstbewusst entgegen gehalten.

Besucher kamen in ausreichender Zahl in die Große Aula. Schließlich gehört das Weihnachtsoratorium zum liebgewonnenen musikalischen Advent-Brauchtum.

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