Sommerliche Klänge zum Dahinschmelzen – Salzburger Hofmusik stellt „Italien und die Götterwelt“ beim Kissinger Sommer vor

Der wohltemperierte Rossini-Saal war nahezu ausverkauft, als „Italien und die Götterwelt“ Station machten beim Kissinger Sommer. Kammermusikalische Augenblicke voller Intimität und Intensität gelangen unter Leitung von Wolfgang Brunner (Cembalo und Hammerflügel) der Sopranistin Ruth Ziesak und der Salzburger Hofmusik mit Veronica Kröner, Sabine Lier (beide Violine), Michael Hamann (Viola), Susanne Müller (Cello) und Arno Jochem (Violone).

In „La tempesta di mare“ von Vivaldi entfachten die Salzburger mit einer glänzenden Kröner an der Sologeige einen Sturm auf dem Meer. Das klangreiche Werk beginnt verhalten, baut dramatische Spannung auf, die sich in gewaltigen Klangexplosionen entlädt und schließlich sanft und unschuldig ausklingt. Ein Beispiel barocker Virtuosenkunst ist Giuseppe Tartinis Teufelstriller Sonate g-moll. Angeblich sei der Satan Tartini im Traum erschienen, habe ihm Wunderbares vorgespielt, das der 1692 geborene Komponist dann niederschrieb. Nuancenreich interpretierten Veronica Kröner und die Salzburger das gar nicht dämonisch klingende Werk.

Glücklich schätzte sich, wer die Liedtexte von „Il lamento d’Arianna“ von Claudio Monteverdi in Händen hielt. Zwar deklamierte Ruth Ziesak die Rezitative ausdrucksstark und textgetreu, doch wer der italienischen Sprache nicht mächtig war, konnte die spannende Geschichte der kretischen Ariadne, die Theseus bei der Tötung des Minotaurus im Labyrinth half und von ihm dafür alleine auf der Insel Naxos zurückgelassen wurde, kaum nachvollziehen. In Alessandro Scarlattis Soprankantate „Arianna“ verwandelte Ziesaks innig und rein klingender Sopran die verzweifelten Klagen, das Flehen um Erbarmen, die empörte Wut und das Versinken in Resignation der Ariadne in schillernde Schmuckstücke.

Ein Meisterwerk geistreicher und feinsinniger Interpretation gelang Ruth Ziesak bei Franz Schuberts „Antikenlieder“ nach Texten von Schiller, Mayrhofer und Goethe. Wolfgang Brunner begleitete sie am Hammerflügel mit präziser Verlässlichkeit und wachem Bewusstsein. Brunner selbst überzeugte beim Allegretto aus Schuberts Drei Klavierstücken D 946 als Solist am Hammerflügel mit perlender Anschlagskultur und erzeugte sommerliche Klangfarben zum Dahinschmelzen.
(Angelika Silberbach, Main Post, 6. Juli 2009)

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