Spätestens jetzt wird Haydn nicht nur in England geliebt …

Nachgereichte Kritiken zum Konzert der Salzburger Hofmusik mit Ruby Hughes beim Musiksommer Loisachtal

Oasen der Freundschaft
Werke von Joseph Haydn erinnern an seine Begegnungen in London

[…] Ein Glücksfall, dass Haydns Gedichtvertonungen “Fidelity” und “The Wanderer” von Anne Hunter und das Shakespeare-Sonett “She never told her love” dabei von Ruby Hughes gesungen wurden: Die Britin ist eine Sopranistin wie man es sich nur wünschen kann: eine klare Stimme, weich auch in den Höhen, kräftig, ohne aufdringlich
zu sein. Technisch sauber, dabei aber immer mit einer immensen Wärme. Das Publikum erlebte so das Aufblühen vieler verschiedener Klangfarben und die Darbietung der diffizilen Musik-Ton-Gefüge gelang dem Duo Brunner-Hughes in einzigartiger Weise. Mit größter musikalischer Sensibilität und Expressivität spürten beide der geistigen und poetischen Qualität der Vertonungen nach. Hier zeigte sich Haydns sprühende musikalische Fantasie, aber ebenso die atmende Akkuratesse und Nüchternheit, die Spielfreude und Empfindsamkeit der Musiker.
Im zweiten Teil stellte Brunner dann eine Klaviersonate von Cecilia Maria Barthdlemon vor: Zunächst leicht, dann pastös dahingetuft, formierte sich die Darbietung zu einem veritablen Sturm-und-Drang an Tasten, von Brunner geradezu mit einer lustvollen Mischung aus Ingrimm und Chuzpe vorgeführt. Im Anschluss folgten Haydns Vertonungen von “A Pastoral Song” und “Spirit Song”, Werke durchzogen von mäandernder Melancholie, die Brunner und Hughes dennoch zum Leuchten brachten. Zum Schluss Francois-Hippolyte Barthélemons Bearbeitung von Streichquartett op. 33 mit “Scotch Airs” und “Reels” für Cello, Violine und Klavier. Hier verschmolz das Raffinement
der Kangfarben und der Rausch der Virtuosität. Spätestens jetzt wird Haydn nicht nur in England geliebt.
(Claudia Koestler)

Englisch durch und durch: Salzburger Hofmusik folgt Haydn und Zeitgenossen auf die Insel

[…] Gerade [Cecilia Maria] Barthélemons Klaviersonate zeugt von staunenswertem Können, vor allem in den ersten zwei Sätzen, was Brunners Gestaltung sinnstiftend verdeutlichte. Kühn wechsehn sich die verschiedenen Ausdrücke und Tempi ab, einige schroffe Unisoni erinnern an Beethoven, im lyrischen Aufklaren und Verdunkeln schimmert bereits Franz Schubert.

Von Haydn gaben Hughes und Brunner Lieder der Londoner Dichterin Anne Hunter zum Besten; ein besonderes Hörerlebnis wurde jedoch das Klaviertrio fis-Moll (Hob. XV:26). Es ist Rebecca Schröter gewidmet. Zupackend und insistierend ließen die Musiker die Durchführung des ersten Satzes subtil grollen und schwären, um im “Adagio cantabile” fast schon Brahms’sche Melancholie atmen zu lassen.

[…] Großer Beifall für einen spannenden und bereichernden Abend. (Marco Frei, Wolfratshauser SZ)

 

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